hier: Änderungen im Verkehrskonzept als Grundlage für die Wettbewerbsausschreibung sowie Bitte um umgehenden Gesprächstermin Verwaltung/Fraktionen
Sehr geehrter Herr Oberbügermeister,
im Nachgang zur Sitzung des Bauausschusses am 3.11.09, in der wir auch die künftige Verkehrskonzeption des neuen Stadtteils thematisiert und weitergehende Vorstellungen als bislang in der Gemeinderatsdrucksache vorgesehen geäußert bzw. als Antrag angekündigt haben, möchten wir diese Punkte wie folgt präzisieren:
Wir meinen, dass der gesamte Stadtteil "stellplatzfrei" sein sollte, d.h. keine Stellplätze an den (Wohn-) Gebäuden vorhanden sein sollten (vergleichbar insbesondere den "Wohnhenkeln" in Vauban). Am Rand des neuen Quartiers, d.h. an den Zufahrten von der Eschholzstraße sollten stattdessen entsprechende Quartiersgaragen gebaut bzw. planerisch gesichert werden. Für Haushalte mit Auto müssten diese bereits frühzeitig realisiert werden, für autofreie Haushalte bzw. Quartiersbereiche genügt eine entsprechende Vorhaltefläche in Verbindung mit einem zu gründenden Autofreiverein (siehe "Verein für autofreies Wohnen e.V." samt "Weidenpalastfläche" im Vauban).
Für autofreie Häuslebauer würde ein Aussetzen der Verpflichtung zur Herstellung eines Stellplatzes eine finanzielle Ersparnis von ca. 10.000 Euro bedeuten, was insbesondere für sog. Schwellenhaushalte durchaus ein entscheidendes Kriterium für die Bildung von Wohneigentum sein kann. Entsprechendes gilt selbstverständlich auch beim Bau von Mietwohnungen für autolose Haushalte, bei denen sich der Verzicht auf die Herstellung von Stellplätzen in einer geringeren Miethöhe niederschlagen müsste.
Unseres Erachtens sollten zur Flächenverbrauchsminimierung automatisierte Parkhoch- oder auch Tiefgaragen vorgesehen werden, die in Modulbauweise - je nach konkretem Bedarf – errichtet werden könnten. Diese Option war auch zu Beginn der 90er Jahre beim Quartier Vauban schon in der Diskussion, konnte damals auf Grund des Zeitdruckes und der noch nicht ausgereiften Technik (mit entsprechenden Vorbehalten der Fachleute und der potenziellen NutzerInnen) aber nicht realisiert werden. Heute, d.h. fünfzehn Jahre später, dürften aber genügend funktionierende Praxisbeispiele die damaligen Bedenken relativieren. Die Freiburger Stadtbau sollte deshalb zeitnah die erforderlichen technischen und wirtschaftlichen Informationen einholen und könnte selbst als Investor und Betreiber fungieren (s.a. Vauban-Garagen).
Eine durchgängige Stellplatzfreiheit für den neuen Stadtteil, die auch für die ansonsten üblichen öffentlichen Besucherparkplätze im Quartier gelten sollte, verbunden mit (möglichst wenigen) randlichen Quartiersgaragen, wäre eine innovative Weiterentwicklung des Vauban-Konzeptes. Beide Gutleutmatten-Quartiersteile sind flächenmäßig nicht übermäßig groß, so dass die Wege von den (Wohn-) Gebäuden zu den Garagen mit maximal rund 150-200 Metern sowohl für BewohnerInnen wie BesucherInnen auch zumutbar wären. Außerdem ist selbstverständlich ein angemessenes Car-Sharing-Angebot wesentlicher Bestandteil einer solchen Verkehrskonzeption.
Die so resultierende Minimierung des fließenden Kfz-Verkehrs im Quartier sowie das Freihalten öffentlicher und privater Flächen von dauerparkendem Blech würde eine hohe Wohn- und Aufenthaltsqualität im gesamten Stadtteil für alle zur Folge haben: weniger Lärm und Abgase, weniger Unfallgefahr, mehr Platz und Freiraum für Kommunikation und für öffentliches und privates Grün.
Die wirklich "autofreien" Bereiche für Haushalte, die tatsächlich ohne Auto (und nicht nur ohne Stellplatz vor dem eigenen Haus) auskommen, sollten so platziert werden, dass sie nicht von Autos aus den stellplatzfreien (aber nicht autofreien) Bereichen durchquert werden müssen, d.h. diese Autofrei-Bereiche sollten in den "hintersten inneren" quasi Sackgassenarealen zu liegen kommen, wo es keinen Durchgangsverkehr und keinen Zugangsverkehr zu den stellplatzfreien, aber natürlich anfahrbaren Grundstücken von Haushalten mit Auto gibt. Das hätte auch den Vorteil, dass im Gegenzug die lediglich stellplatzfreien Bereiche umso näher an ihren jeweilig zugeordneten Quartiersgaragen zu liegen kommen und die Wege dorthin umso kürzer werden.
Angesichts der idealen ÖPNV- und Radwegeanbindung der Gutleutmatten sowie der in fußläufiger Entfernung vorhandenen guten Infrastruktur (Schule, Sport, Einzelhandel, Stadtteilzentrum Haslach etc.) sollte der tatsächlich "autofreie" Bereich sicherlich über die Hälfte der vorgesehenen Wohneinheiten umfassen. Es spricht einiges dafür, dass diese Bereiche vor allem im westlichen Bauabschnitt liegen sollten, obwohl auch der östliche Bereich im Hinblick auf die Haltestelle am Radacker sowie die geplante Verknüpfung mit der Hauptbahnlinie eine optimale ÖPNV-Verbindung aufwiese und in diesem Quartiersteil jedweder Durchgangsverkehr auszuschließen wäre – was im Westteil bei der Option einer optionalen Erschließungsstraße von der Carl-Kistner-Straße aus ggf. eintreten könnte.
Generell ist anzumerken, dass die Konzeption eines 100% stellplatzfreien Stadtteiles bei der Grundstücksvermarktung natürlich sämtliche Optionen in beide Richtungen – stellplatzfrei und autofrei – offenhält, denn egal welche Varianten mit welcher flächenmäßigen Ausdehnung zur Realisierung kommen: Die randlichen Quartiersgaragen bzw. die entsprechenden Vorhalteflächen bleiben gleich und alle (Wohn-) Gebäude im Quartier liegen an Wohnwegen statt an Autostraßen. Eine maximale Flexibilität je nach Nachfrage wäre deshalb gegeben.
Für die konkreten Vertragsgestaltungen mit den zukünftigen BauherrInnen und sonstigen Investoren bzgl. "Stellplatzfreiheit" und "Autofreiheit" sollten die Erfahrungen aus Vauban herangezogen werden, damit die dort aufgetretenen Probleme bestmöglich schon im Vorfeld minimiert bzw. ausgeschlossen werden können.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, da wir nicht annehmen, dass dieses Thema im kommenden Hauptausschuss am 09.11. fachlich mit der erforderlichen Zeit und Sorgfalt diskutiert werden kann und weil entsprechende Änderungsanträge im Gemeinderat ohne fachliche Vorberatung der Bedeutung der Angelegenheit nicht angemessen wären, schlagen wir Folgendes vor (falls eine Verschiebung der GR-Entscheidung auf den 1.12. bis nach der nächsten Sitzung des fachlich zuständigen Verkehrsausschusses am 24.11. nicht möglich sein sollte):
Wir bitten einerseits um schnelle Rückmeldung des OB, wie die Verwaltung im Grundsatz zu den genannten Vorschlägen steht, andererseits um umgehende Anberaumung eines Gesprächstermines zwischen Verwaltungsspitze, Baureferat, Fachverwaltung (GuT) und Fraktionen, um die skizzierten Punkte zu diskutieren und die Ergebnisse in die Wettbewerbsausschreibung zu integrieren.
Auch die Thematik der äußeren Erschließung (was wird künftig aus der Eschholzstraße?) sowie die Idee von Radwegeschnellverbindungen von Süden und Westen, die den Bereich des neuen Stadtteiles tangieren könnten, sollten bei diesem Gespräch nochmals thematisiert werden.
Mit der Bitte um baldige Rückmeldung verbleiben wir
mit freundlichen Grüßen
Für die Fraktion JF/DIE GRÜNEN
Eckart Friebis
Fraktionsgeschäftsführer