24. April 2006

20 Jahre nach Tschernobyl: Fessenheim endlich abschalten!

Pressemitteilung

Am 26. April 2006 jährt sich zum zwanzigsten Male die atomare Katastrophe von Tschernobyl. Ungezählte Menschen wurden seither Opfer der radioaktiven Strahlung, weite Landstriche sind für viele Jahrzehnte unbewohnbar und weltweit sind bleibende Schäden für Mensch und Natur die Folge. 

Die latente Gefährdung durch die Atomenergie ist auch für die Bevölkerung der Region angesichts des benachbarten AKW Fessenheim stets präsent, weshalb der Freiburger Gemeinderat schon wiederholt dessen Stilllegung verlangt hat.

Leider haben diese politischen Forderungen bislang nicht zum gewünschten Ergebnis geführt. Ganz im Gegenteil, die Risiken haben sogar noch erheblich zugenommen: Die Möglichkeit eines GAU infolge eines Flugzeugabsturzes oder eines Erdbebens ist seit den Terroranschlägen in den USA sowie angesichts der im Oberrheingraben immer wieder spürbaren Erdstöße zu einer ganz realen Bedrohung geworden - mit unabsehbaren Folgen nicht nur für das Dreiländereck sondern für weite Teile Mitteleuropas.

Zahlreiche technisch und menschlich bedingte Störfälle der letzten Jahre, die unzureichende Informationspolitik der Kraftwerksbetreiber sowie die Kommunikationsdefizite zwischen den beteiligten Stellen beidseits des Rheins haben ein Übriges dazu getan, das Vertrauen in die Sicherheitsbekundungen und in die Glaubwürdigkeit der Akteure nachhaltig zu erschüttern.

Hinzu kommen Konstruktions- und alterungsbedingte Mängel des mit bald 30 Jahren ältesten französischen Kernkraftwerkes (Risse im Reaktordruckbehälter, Fehler im Notkühl- bzw. sonstigen Sicherheitssystemen des AKW, unzureichende Sicherung gegen Überflutung bei einem Bruch des Rheinseitenkanals etc.), die nach wie vor ungelöste Frage einer sicheren Entsorgung des ewig strahlenden Atommülls und die auch im Normalbetrieb abgegebene radioaktive Strahlung.

All diese Risiken lassen nur eine einzige Schlussfolgerung zu, um Bevölkerung und Umwelt wirksam vor den katastrophalen Folgen eines drohenden atomaren Unfalls zu schützen: Fessenheim muss schnellstmöglich stillgelegt werden!

Die Chancen dazu waren noch nie so gut wie heute: Vor wenigen Wochen ist die Stadt Freiburg durch Gemeinderatsbeschluss dem „Trinationalen Atomschutzverband der Bevölkerung um das AKW Fessenheim“ (TRAS) beigetreten, der vor allem auf juristischem Wege ein Abschalten des Pannenreaktors erzwingen will. Fast zeitgleich haben im Elsass mehr als Hundert Bürgermeister, Gemeinderäte und Abgeordnete in einem Appell an den französischen Staatspräsidenten die Stilllegung Fessenheims gefordert – eine ganz neue Dimension des öffentlichen Widerstandes im bislang eher atomkraftfreundlichen Nachbarland!

Auch wenn einige unbelehrbare PolitikerInnen in Land und Bund angesichts der aktuellen Energiepreise nun wieder vom angeblich billigen Atomstrom fabulieren und einer Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke das Wort reden: Der möglichst zügige Ausstieg aus dieser unverantwortbaren Hochrisikotechnologie und der Umstieg in eine nachhaltige regenerative Energieversorgung liegt im vitalen Interesse Aller. Obwohl Freiburg als mehrmalige Solarhauptstadt im Städtevergleich nicht schlecht dasteht, müssen wir uns künftig noch weit mehr anstrengen, um unsere energie- und klimapolitischen Ziele auch tatsächlich zu erreichen!

Jede und jeder Einzelne kann persönlich dazu beitragen: Sei es durch den sparsamen Umgang mit wertvoller Energie generell, den Ausbau regenerativer Energiegewinnung, den Bezug von Regiostrom oder anderen atomstromfreien Stroms, einen Beitrag zu den jährlich 14.000 Euro Mitgliedskosten der Stadt Freiburg bei TRAS (Konto-Nr. 2010012 bei der Sparkasse Freiburg/Nördlicher Breisgau, BLZ 68050101, Stichwort TRAS-Spende) oder die Teilnahme an der großen Tschernobyl/Stop Fessenheim-Demo am Samstag, 29. April, 11.00 Uhr auf dem Freiburger Rathausplatz.