30. September 2011

FSB-Reihenhausverkauf: Doppelte Sozialrendite

Kategorie: Wohnen + Leben, Finanzen

Artikel im Amtsblatt vom 23.09.2011


Die städtische Wohnbaugesellschaft Freiburger Stadtbau, Eigentümerin von 8.000 Wohnungen im ganzen Stadtgebiet, möchte eine begrenzte Auswahl leerstehender und sanierungsbedürftiger Reihenhäuser aus ihrem Streubesitz verkaufen. Solange dies an Freiburger Familien mit minderjährigen Kindern und unterdurchschnittlichem Einkommen erfolgt, ist dieses Vorhaben sowohl ökonomisch als auch sozialpolitisch richtig und sinnvoll. Genauso wie das Angebot an mehrere Dutzend derzeitige Stadtbau-Mieter, ihr Haus zum Gutachterwert zu erwerben – je nach Wunsch samt Grundstück oder auch im Erbbaurecht.

Denn

  • für die Stadtbau selbst wäre eine aufwändige Sanierung in Eigenregie nach FSB-Standard wirtschaftlich nicht darstellbar oder würde die resultierenden Neumieten auf unvertretbare Höhen katapultieren. Erwerbende Familien oder derzeitige MieterInnen können hingegen, je nach Finanzlage und Qualitätsanspruch, die anfallenden Kosten (auch durch Eigenarbeit) selbst bestimmen und die Baumaßnahmen stufenweise realisieren.
  • das Angebot zum vergleichsweise günstigen und fixen Gutachterwert – statt zum Höchstpreis, der durch Ausschreibung am Markt zu erzielen wäre – bietet für beide Zielgruppen eine große Chance zur Eigentumsbildung durch Erwerb eines begehrten (und in Freiburg äußerst raren) Reihenhauses.
  • für bisherige MieterInnen der betreffenden Reihenhäuser, die kein Interesse bzw. keine finanziellen Möglichkeiten zum Erwerb ihres Hauses haben, ändert sich nichts – das alte Mietverhältnis bleibt bestehen.
  • der gesamte Erlös aus den Reihenhausverkäufen fließt einerseits in die Sanierung bestehender Stadtbau-Mietwohnungen sowie andererseits in den dringend benötigten Neubau geförderter Sozialmietwohnungen. Das hat der Aufsichtsrat im Juli auf Antrag der bündnisgrünen Mitglieder explizit beschlossen.

Foto: Helmut Thoma

Die Investitionen aus dem Verkaufserlös der Reihenhäuser sind also gut angelegtes Kapital. Profitieren doch von der energetischen Sanierung und Modernisierung des Wohnungsbestands (Kosten: 200 Mill. € in den nächsten 15 Jahren) vor allem die MieterInnen: Durch bessere Wohnverhältnisse und eine Reduzierung der ansonsten weiter steigenden Heiznebenkosten, die sich immer mehr zur zweiten Miete entwickelt haben.

Und vom Neubau geförderter Wohnungen zu erschwinglichen Mietpreisen werden Hunderte von Wohnungssuchenden profitieren: Derzeit sind rund 300 geförderte Mietwohnungen im Bau bzw. fortgeschrittenen Planungsstadium – was einem Investitionsvolumen von rund 50 Millionen Euro entspricht.

Vor diesem Hintergrund ergibt sich sogar eine doppelte sozialpolitische Rendite durch das vom Stadtbau-Aufsichtsrat mit deutlicher Mehrheit verabschiedete Vorgehen. Das Gerede mancher Gruppierungen von angeblich „unsozialer Politik“ und „Gentrifizierung“ entlarvt sich deshalb wieder einmal mehr als der bekannte Versuch unsachlicher Stimmungsmache.
Wir gehen davon aus, dass sich auch im Gemeinderat, der dem beabsichtigten Verkauf der Reihenhäuser formalrechtlich noch zustimmen muss, eine große Mehrheit für diesen sowohl aus betriebswirtschaftlicher wie auch sozialpolitischer Sicht positiv zu bewertenden Schritt ausspricht.