Gleichstellungsbericht und Gender Rahmenplan
Kommentar von Adelheid Hepp vom 23.11.2011
Gleichstellungsbericht und Gender Rahmenplan im Gemeinderat am 27.11.2011
Mit dem aktuellen Gleichstellungsbericht legt die Geschäftsstelle Gender Mainstreaming eine umfassende Bestandsaufnahme vor, die die Bereiche Gleichstellung und Gender Mainstreaming miteinander verknüpft und Empfehlungen für die jeweiligen Handlungsfelder aufzeigt.
Der Gleichstellungsbericht ergänzt und vervollständigt damit den parallel vorgelegten Rahmenplan, zu dem wir im Gemeinderat im letzten Jahr die gleichstellungspolitischen Leit- und Teilziele beschlossen haben.
Der vorliegende Bericht ist stolze 76 Seiten dick und lässt mit einer Vielzahl von Statistiken kaum eine Frage offen. Allerdings zeigt er auch deutlich auf, wo Handlungsbedarf ist und Schlussfolgerungen konsequenterweise in Entscheidungen einfließen müssen – gerade bei den Themen Bildung, Partizipation, Erwerbsleben und Lebenswelten.
Beispielsweise fällt im Kapitel Erwerbsleben auf, das der prozentuale Anteil der in Vollzeit beschäftigten Frauen gerade mal bei 25,8 Prozent liegt. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich, allerdings gibt die geringe Zahl der vollbeschäftigten Frauen durchaus Anlass zur Sorge, wenn man bedenkt, dass mit dem neuen Scheidungsrecht viele Frauen nach der Scheidung keinen Anspruch mehr auf Versorgung haben und sich die Renteneinkünfte später entsprechend negativ darstellen.
Schaut man in das Kapitel Bildung unter 'Empfehlungen' wird deutlich, dass eine Verankerung von Gender-Kompetenzen bei pädagogischen Fachkräften sowie Lehrerinnen und Lehrern notwendig ist, damit frühzeitig gendergerechte Berufsorientierungsangebote für Mädchen und Jungen, insbesondere für Mädchen mit Migrationshintergrund angeboten werden. Dem Problembereich stereotyper Berufswahlentscheidungen muss kontinuierlich entgegengewirkt werden, da wir mit dem demografischen Wandel Frauen und Männer in allen Berufssparten brauchen.
Weitere interessante Daten liefert uns das Kapitel über Partizipation, der wichtigste Gradmesser für die Gleichstellung von Frauen und Männern – nämlich da, wo es um Macht und Entscheidungspositionen geht. Hier fällt auf, dass in Ebnet der Frauenanteil bei stolzen 40% liegt und in Hochdorf gerade mal bei 14,3% – was macht das Ehrenamt für Frauen in Ebnet so attraktiv, dass sie bereit sind, auf einer Liste zu kandidieren, oder: weshalb wählen die Ebneter vergleichsweise viele Frauen in ihren Ortschaftsrat?
Wir müssen uns aber auch an die eigene Nase fassen: im Gemeinderat haben wir Nachholbedarf zugunsten der Frauen bei der Besetzung von Ausschüssen und Aufsichtsräten. Das liegt aber in erster Linie daran, wie die einzelnen Parteien und Gruppierungen ihre Listen zur Kommunalwahl aufstellen – ob quotiert nach Geschlecht oder eben nicht.
An dieser Stelle kann ich uns GRÜNE als leuchtendes Beispiel anführen: Seit Jahrzehnten gibt es bei uns quotierte Wahllisten!
Fazit: Dank gehört allen mitwirkenden Dienststellen und Ämtern, die bei der Erstellung des Berichts tatkräftig Zahlenmaterial geliefert haben. Der Geschäftsstellenleiterin, Frau Dr. Cornelia Hösel–Kulike möchten wir an dieser Stelle als Fraktion besonders danken. Der Bericht ist prall gefüllt mit Zahlen, Statistiken und Empfehlungen.
Das geplante Hearing am 23. März 2012 wird ein Meilenstein sein, damit der Prozess mit allen Beteiligten produktiv weitergeführt wird und neue Ideen entwickelt werden können.
Uns ist es als Fraktion ein großes Anliegen, dass zum einen der Bericht zur Gleichstellung von Frauen und Männern nicht in einer goldenen Schublade verschwindet, sondern dass die Kennziffern und Indikatoren einer Wirkungsmessung unterzogen werden und mit ihnen gearbeitet wird, so dass die Maßnahmen im Gender Mainstreaming-Prozess in die einzelnen Lebensbereiche der Bürgerinnen und Bürger hineinwirken können.
Der vorliegende Interfraktionelle Antrag von der UL, der SPD, der CDU und JF/Die Grünen bringt dies zum Ausdruck und unterstreicht den Willen, den Gender Mainstreaming Prozess ernst zu nehmen und weiter voran zu bringen.
- Dateien:
Interfrakt._Antrag_Gender_Rahmenplan.pdf62 K





