07. Oktober 2011

Jubiläumsfestival 2012: "Freiburg – Offene Stadt"

Kategorie: Kultur

Artikel im Amtsblatt vom 07.10.2011


Am 14. September 2002 hatte die NPD zu einer Demonstration in Freiburg aufgerufen. Doch anstatt den Unbelehrbaren die Straßen und Plätze der Stadt für ihre hetzerischen Parolen zu überlassen, bildete sich im Vorfeld der Demonstration ein breites parteiübergreifendes und von der Stadt getragenes Bündnis. Gemeinsames Ziel war es, am Tag der rechten Demo durch kulturelle Veranstaltungen auf möglichst vielen Plätzen den Neo-Nazis keinen öffentlichen Raum zu überlassen. Auf mehreren Bühnen traten viele Musikbands und Gruppen aus der Stadt auf, die Hauptbühne offerierte sogar ein Programm mit überregional bekannten Künstlern.

Foto: © berlin-pics/PIXELIO

Freiburg wollte sich als „Offene Stadt“ präsentieren und erreichte ihr Ziel: lediglich eine Handvoll NPD-Sympathisanten wurde von Tausenden Freiburger Bürgerinnen und Bürgern vor dem Hauptbahnhof an der Bildung eines Demonstrationszuges gehindert – sie mussten unverrichteter Dinge gedemütigt die Heimreise antreten.

Bei der Begrüßungsansprache auf der Hauptbühne am Platz der Alten Synagoge wusste Oberbürgermeister Dr. Salomon diesen Erfolg zu würdigen und freute sich mit der Menschenmenge, dass die Stadt und ihre BürgerInnen ein so deutliches Zeichen gegen rechts gesetzt hatten. Gleichzeitig merkte er an, dass es eigentlich nicht der NPD bedürfe, um ein solches Fest in Zukunft zu wiederholen.

Der Versuch, ein Festival in diesem Sinne in der Innenstadt an zumindest einem zentralen Platz durchzuführen, wurde von der Freiburger Musiker-Initiative Multicore 2006 unternommen – es ließ sich damals aber leider keine politische Mehrheit für die Umsetzung einer solchen Idee finden.

Nun möchte die Fraktion Junges Freiburg/Die Grünen zum zehnten Jubiläum des „Tags der Offenen Stadt“ im kommenden Jahr diese Idee wieder aufgreifen. Wir haben den Oberbürgermeister gebeten, die Durchführbarkeit eines Musikfestivals in der Innenstadt im September 2012 zusammen mit möglichen Kooperationspartnern (wie Multicore, KoKo-Entertainment, Jazzhaus GmbH, E-Werk) konstruktiv zu prüfen und den gemeinderätlichen Gremien zu berichten.

Die Vergangenheit hat zwar gezeigt, dass es in Freiburg nicht eben leicht ist, einen geeigneten Platz in der Innenstadt zu finden, der auf die Zustimmung aller stößt, weil sich immer ein Teil in seiner Ruhe gestört fühlt. Dennoch hoffen wir auf breite Unterstützung, gehört doch zum Charakter einer Offenen Stadt auch die Toleranz ihrer EinwohnerInnen.

Junges Freiburg / Die Grünen würden es sehr begrüßen, wenn mit einem solchen Festival-Tag in Freiburg nicht nur das Aufstehen der Freiburger Bürgerschaft gegen rechts vor zehn Jahren gewürdigt werden könnte sondern auch das im Vergleich zu anderen Stilistiken öffentlich eher zurückhaltend geförderte Genre der populären Musik eine verdiente Aufwertung erfahren würde.