19. März 2011

Konsequenzen aus dem AKW-GAU in Japan

Kategorie: Klimaschutz

Schreiben an den Vorsitzenden der Region Freiburg, Landrat Hanno Hurth, vom 18.03.2011


Strategie zur Versorgung der Region mit 100% Ökostrom bis 2020

Katastrophenschutzplan AKW Fessenheim/Forderung nach Stillegung

Sehr geehrter Herr Vorsitzender Landrat Hurth,

die schreckliche Katastrophe in Japan mit dem noch immer drohenden Super-GAU muss auch bei uns zur Konsequenz haben, dass wir schnellstmöglich aus der nicht-verantwortbaren Hochrisikotechnologie Atomkraft aussteigen. Gleichzeitig müssen wir unsere Anstrengungen  erheblich verstärken, um den vollständigen Umstieg auf umweltfreundliche regenerative Energien zu beschleunigen und die Übergangstechnologie der effizienten Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in der Breite auszubauen.



In der kommenden Sitzung des Ständigen Ausschusses der Region Freiburg am 30. März steht mit dem Beratungspunkt „Windkraft in der Region“ ein Teilaspekt dieser Umstiegsstrategie auf der Tagesordnung.

Wir bitten darum, diesen Tagesordnungspunkt umfassender zu konzipieren, damit eine inhaltliche Diskussion darüber stattfinden kann, mit welcher Strategie und welchen konkreten Maßnahmen möglichst bis zum Jahr 2020 eine vollständige Versorgung der Region Freiburg mit Ökostrom erfolgen kann. Dies wäre ein eminent wichtiger Beitrag zum Ausstieg aus der Atomenergie und für eine zukunftsfähige Energiepolitik in den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen und der Stadt Freiburg.

Dass dieses Ziel zwar ehrgeizig, aber nach Ansicht anerkannter Experten erreichbar ist, kann beispielsweise der heutigen Ausgabe der Badischen Zeitung entnommen werden:

Unter der Überschrift „Neue Chance für sauberen Strom“ bestätigt der Leiter des weltweit renommierten Freiburger Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme, Prof. Dr. Eicke Weber, dass Freiburg und die beiden Nachbarkreise schon 2020 den gesamten Verbrauch durch sauberen, in der Region erzeugten Strom decken könnten. Potenziale sieht er „in allen Bereichen der erneuerbaren Energien von Wind über Biomasse bis zu KWK sowie Photovoltaik und Solarthermie“.

In derselben Ausgabe der BZ weist der Vorstandsvorsitzende der badenova, Dr. Thorsten Radensleben, unter der Überschrift „Das Potenzial ist da“ darauf hin, dass aus Sicht des regionalen Umwelt- und Energiedienstleisters badenova vor allem die Potenziale der dezentralen Kraft-Wärme-Kopplung und der Biomasse genutzt werden müssten. Die badenova sei zu solchen Investitionen bereit, wenn die Rahmenbedingungen dazu stimmen würden.

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, wir sind zuversichtlich, dass sich die Rahmenbedingungen für den substanziellen Ausbau der Erneuerbaren Energien sowie für die breite Anwendung der Übergangstechnologie der Kraft-Wärme-Kopplung (z.B. auch für den Einsatz dezentraler Blockheizkraftwerke) in den nächsten Monaten deutlich zugunsten dieser umweltfreundlichen Energien verbessern werden.

Die Region Freiburg sollte bereit stehen, diese neuen Rahmenbedingungen offensiv und umfassend zu nutzen. Wir halten es auch deshalb für zwingend erforderlich, dass sich sowohl die Fachverwaltungen der beiden Landkreise und der Stadt Freiburg wie auch deren verantwortliche KommunalpolitikerInnen umgehend mit einer Strategie zum schnellstmöglichen Umstieg der Region auf 100% Ökostrom befassen.

Wir würden dazu vorschlagen, dass zeitnah eine entsprechende Arbeitsgruppe eingerichtet wird, die zur fachlichen Unterstützung Experten aus der Region hinzuzieht, beispielsweise Herrn Prof. Weber von ISE, VertreterInnen der badenova, der Energieagentur Regio Freiburg, des Vereins Strategische Partnerschaft zum Klimaschutz am Oberrhein und des Freiburger Öko-Institutes, um eine Konzeption zu entwickeln, mit welchen konkreten Maßnahmen das genannte Ziel erreicht werden kann.

Wir würden zudem vorschlagen, Herrn Prof. Eicke Weber zur nächsten öffentlichen Sitzung der MV der Region Freiburg am 18. Mai 2011 einzuladen, um aus seiner Sicht über die Notwendigkeit und die denkbaren Optionen zur vollständigen Versorgung unserer Region mit Ökostrom zu berichten.

Sehr geehrter Herr Vorsitzender Hurth, wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie diese Vorschläge konstruktiv aufgreifen und so mit dazu beitragen könnten, dass unsere Region zum Vorreiter in Sachen Energiewende und damit auch zum Vorbild für andere Regionen werden könnte. Dies hätte neben ökologischen Aspekten wie der CO2-Reduzierung, der Risikominimierung durch Alternativen zur hochgefährlichen Atomenergie auch positive Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsplätze. Werden doch nachweislich durch die dezentrale Erzeugung umweltfreundlicher Energien weit mehr Arbeitsplätze geschaffen und eine viel größere regionale Wertschöpfung initiiert als durch zentrale großtechnische Energieerzeugungsanlagen. Und die Bürgerschaft kann – beispielsweise in Form von Beteiligungsmodellen – ihr Engagement für eine nachhaltige Energiewirtschaft einbringen.

Alles in allem eine großartige Chance für die Region und eine win-win-Situation für alle Seiten – wir müssen sie lediglich nutzen!

Als weiteren Punkt, der die gesamte Region insbesondere im Falle eines gravierenden Unfalles unmittelbar betrifft, möchten wir das „AKW Fessenheim“ ansprechen. Wir bitten darum, die Themen „Katastrophenschutzplan“ wie auch die „Möglichkeiten der Region Freiburg, auf eine schnellstmögliche Abschaltung des maroden Atommeilers hinzuwirken“, für die Sitzung des ständigen Ausschusses aufzubereiten und diesen Tagesordnungspunkt auch für die MV im Mai vorzusehen.

Mit freundlichen Grüßen



Eckart Friebis

Mitglied des ständigen Ausschusses und der MV der Region Freiburg
Stadtrat in Freiburg und Vorsitzender von B‘90/DIE GRÜNEN im RVSO