16. November 2011

Mehr Wohnraum

Kategorie: Wohnen + Leben

Artikel im Amtsblatt vom 18.11.2011


Freiburg ist attraktiv, die Einwohnerzahl nimmt stetig zu und es gibt immer mehr Single-Haushalte. Weil auch die Ansprüche an die Wohnungsgröße wachsen, wird Wohnraum knapp, was sich in teuren und weiter steigenden Mieten niederschlägt.
Angesichts der großen Wohnungsnachfrage, die lt. Prognose auch in den nächsten Jahren anhalten wird, sind also zusätzliche Angebote vonnöten – trotz der zahlreichen Baugebiete und Einzelprojekte die schon umgesetzt werden oder in Planung sind.

Foto: Helmut Thoma

Gebraucht werden – auch im Hinblick auf stabile Mieten – vor allem geförderte sowie freifinanzierte Miet- und Eigentumswohnungen in flächensparenden Mehrfamilien- und Reihenhäusern. Dazu sollen in allen Stadtteilen die Neu- und Umbaupotenziale genutzt werden, mit Rücksichtnahme auf die örtlichen Gegebenheiten und quartiersverträglich. Auch wenn Neubauten in direkter Nachbarschaft nicht bei allen auf Gegenliebe stoßen – aus sozialen Gründen und in Verantwortung für die Gesamtstadt sind sie unverzichtbar. Zumal mehr Wohnraum auch weitere Vorteile hat: kommt so doch neues Leben ins Quartier, was die vorhandene Infrastruktur sichert oder fehlende erst möglich macht.

Während um die Jahrhundertwende in Freiburg noch Tausend oder mehr Wohneinheiten  pro Jahr fertiggestellt wurden, hat sich diese Zahl inzwischen fast halbiert. Wir haben uns deshalb zum Ziel gesetzt, dass künftig wieder deutlich mehr Wohnungen neu entstehen. Dazu wollen wir vor allem die stadteigenen, aber auch private Baulücken und Innenentwicklungspotenziale verfügbar machen und die im Flächennutzungsplan vorgesehenen Neubaugebiete zügig entwickeln. Bauen müssen Dritte: Privatleute, Baugruppen, Wohnbauträger, Genossenschaften, Investoren und die Stadtbau. Bei den konkreten Baumaßnahmen setzen wir auf mehr Akzeptanz bei den bereits wohnversorgten Nachbarn, damit auch die Wohnungssuchenden von heute ein neues Zuhause finden können.

Unsere städtische Wohnbaugesellschaft verfügt über 8.000 eigene Wohnungen, darunter viele Sozialwohnungen, die vor allem an Menschen mit kleinerem Geldbeutel vergeben werden. Und die Stadtbau nimmt auch künftig ihre Verantwortung wahr: Zu den 700 seit 2000 neu gebauten Mietwohnungen kommen weitere 400 hinzu, die bereits im Bau oder kurz davor sind. Stimmen die Förderprogramme von Bund und Land, werden weitere folgen. Parallel wird der Bestand für 200 Mio. € sukzessive saniert, auch energetisch: Das entlastet die MieterInnen von steigenden Heiznebenkosten und die Umwelt von Abgasen.

Auch über andere Wege versuchen wir für preisgünstigen Wohnraum zu sorgen: Investoren, die Sozialwohnungen bauen, können städtische Grundstücke mit Preisabschlag erwerben. Privateigentümer, deren Ackerland durch Baulandausweisung an Wert gewinnt, werden zum Bau geförderter Wohnungen verpflichtet. Für Familien mit geringem Einkommen gibt es ermäßigte Erbbauzinsen beim Eigentumserwerb.

Wir denken zudem über neue Konzepte für mehr preiswerten Wohnraum nach und diskutieren Instrumente, um bedenklichen Tendenzen in manchen Quartieren entgegen zu wirken, wo durch Luxussanierung und Umwandlung von Miet- in teure Eigentumswohnungen bisherige BewohnerInnen verdrängt werden. Ziel ist ein „Kommunales Handlungsprogramm für mehr Wohnungsbau und sozial gemischte Stadtteile“, das 2012 vom Gemeinderat verabschiedet werden soll.