16. Juni 2005

Neue Wege in der Kinderbetreuung

Kindergärten samstags und abends öffnen, mobilen Kinderdienst "MoKi" anbieten.

Die Fraktion Junges Freiburg / Die Grünen fordert in einem Antrag an den Gemeinderat, die Konzeption der Kinderbetreuung in Freiburg weiterzuentwickeln. Mit dem Pilotprojekt Samstagsöffnung in zunächst einem Kindergarten und der Ausweitung der Öffnungszeiten in den Abend hinein will die Fraktion den sich verändernden Rahmenbedingungen der Arbeitwelt Rechnung tragen.

"Wir hören immer wieder von berufstätigen Eltern, dass die Öffnungszeiten der Kindergärten mit den Anforderungen der Arbeitswelt nicht vereinbar sind", berichtet Stadträtin Pia Federer. Von ArbeitnehmerInnen wird zunehmend zeitliche Flexibilität erwartet. Viele Frauen arbeiten im Einzelhandel in Spätschichten bis 20 Uhr oder samstags bis 16 Uhr nachmittags. Hier muss die Stadt reagieren, meinen die Grünen.

Ein verstärktes Augenmerk will die Fraktion Junges Freiburg / Die Grünen auf Kinder richten, die in sozial problematischen Verhältnissen aufwachsen. Stadträtin Monika Stein, die als Grund- und Hauptschullehrerin an einer Brennpunktschule arbeitet, fordert: "Alle Kinder müssen im letzten Jahr vor der Einschulung einen Kindergarten besuchen. Ohne Kindergartenbesuch sind viele Kinder nicht schulreif und müssen dann in spezielle Förderklassen." Dieses Kindergartenjahr soll für Kinder von ALG II Bezieher kostenlos sein.

"Wir müssen uns bei der vorschulischen Förderung massiv bewegen, denn die Zeit zwischen drei und sechs Jahren ist für den späteren Bildungserfolg die entscheidende Lebensphase", stellt Stadträtin Birgit Woelki fest und fordert, dass Grundschulen und Kindergärten in Freiburg besser miteinander kooperieren. Jede Grundschule soll Modelle für diese Zusammenarbeit entwickeln und Kooperations-PartnerInnen benennen.

In einem weiteren Pilotprojekt soll als neues Kinderbetreuungsangebot ein "mobiler Kinderbetreuungsdienst" - MoKi - aufgebaut werden. MoKi soll Eltern in Notlagen und in Zeiten, in denen die Kinderbetreuungseinrichtungen geschlossen sind, zur Verfügung stehen. Notlagen sind, wenn Kinder oder Eltern erkranken, wenn Beratungen, Bewerbungen oder Gespräche der Eltern nur ohne Kinder stattfinden können. "Dieses Angebot soll explizit auch Müttern und Väter mit geringem Einkommen zur Verfügung stehen", so Stadtrat Coinneach McCabe.

Die Frage nach den zusätzlichen Kosten beantwortet Finanz- und Sozialpolitiker Gerhard Frey mit dem Hinweis, dass auch in Zeiten knapper Kassen Konzeptionen weiterentwickelt werden müssen. Er verweist auf die 19 Mill. €, die von städtischer Seite pro Jahr für die Kinderbetreuung ausgegeben werden, die 5,5 Mill. € Elternbeiträge und die 3 Mill. € Trägermittel für die Kindergärten. "Bei einer Summe von 28 Mill. € pro Jahr für die Kinderbetreuung in Freiburg müssen konzeptionelle Weiterentwicklungen finanzierbar sein", erwartet er. Außerdem verlangt er, dass man versucht, für die Pilotphase des Projekts "MoKi" Fördertöpfe anzuzapfen und verweist darauf, dass "Moki" mit der Zielvorgabe startet, nach 2 bis 3 Jahren kostendeckend zu arbeiten.