27. Juli 2011

Wind of change

Kategorie: Klimaschutz

Artikel im Amtsblatt vom 29.07.2011


Nach dem Regierungswechsel in Stuttgart und dem Atomausstiegsbeschluss in Berlin muss jetzt überall im Ländle (und nicht nur dort) der Ausbau der erneuerbaren Energien zum Topthema auf der politischen Agenda werden. In der Stadt und Region Freiburg gehört dazu – neben der Solarenergie – vor allem die verstärkte Nutzung der Windkraft, deren Potenzial wegen der Verhinderungspolitik der früheren CDU-geführten Landesregierungen bislang sträflich vernachlässigt wurde.



Ganz aktuell – und zur Überraschung vieler – haben jetzt bereits Regionalverband und Regierungspräsidium ihre bisher restriktive Haltung teilweise revidiert: noch vor Inkrafttreten einer von Grün-Rot angekündigten generellen Windkraft-Gesetzesänderung wurden sechs zusätzliche Standorte in der Region ausfindig gemacht, die kurzfristig und ohne Verstoß gegen den rechtskräftigen Regionalplan über ein Zielabweichungsverfahren zur Verfügung stehen könnten.
Da leider keine dieser Flächen auf Freiburger Gemarkung liegt, hat die Stadtverwaltung – in Kooperation mit Regiowind GmbH als interessiertem Investor – dem Gemeinderat einen optimalen Windradstandort am Schauinsland, nahe der letzten Spitzkehre vor der Bergstation, vorgeschlagen. Dieser soll schon jetzt im Detail auf technische und künftige rechtliche Realisierbarkeit untersucht werden, damit nach der erhofften Gesetzesänderung die notwendigen Verfahrensschritte zügig abgewickelt werden können. Parallel werden weitere geeignete Standorte auf Freiburger Gemarkung geprüft und es wird die Diskussion mit der Region zu führen sein, ob es auch in den Nachbarlandkreisen noch zusätzliche Optionen gibt.

Im Gespräch für den Schauinsland ist eine Windmühle neuester Generation mit einer Gesamthöhe von rund 200m und einer Leistung von 7,5 MW. Die bestehenden sechs Anlagen auf dem Roßkopf und an der Holzschlägermatte haben eine Höhe von 133m und eine Leistung von je 1,8 MW.
Es wird erwartet, dass die neue Anlage an diesem windstarken Standort jährlich 15 Mill. kWh umweltfreundlichen Ökostrom produziert - dies entspricht in etwa der Strommenge, die bislang von allen vorhandenen Anlagen zusammen pro Jahr produziert wird!!

Eine einzige Windmühle neuester Machart kann damit den jährlichen Strombedarf aller Privathaushalte einer Kleinstadt oder eines Freiburger Stadtteils (z.B. Rieselfeld) abdecken – und erspart der Umwelt über 10.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Der Flächenverpächter, hier die Stadt Freiburg, kann mit einer jährlichen Umsatzpacht von 70-100.000 € rechnen, dazu kommen in späteren Jahren noch Gewerbesteuereinnahmen. Die Erlöse aus dem Stromverkauf bleiben in der Region, statt an die ehemaligen Strommonopolisten oder in ferne Kohle, Gas oder Öl liefernde Länder zu gehen, Arbeitsplätze bei der Windanlagenindustrie werden gesichert und neu geschaffen, ansässige Firmen profitieren vom Bau und der Unterhaltung der Anlagen, regionale Wirtschaftskreisläufe werden gestärkt.
Und wenn die Anlagenfinanzierung über ein Bürgerbeteiligungsmodell läuft, bei dem sich alle BewohnerInnen der Region schon mit kleineren Summen engagieren und auch an den Gewinnen partizipieren können, dann wird die dezentrale und demokratische Energiewende Wirklichkeit.

Nutzen wir diese Chance – Windkraft ahoi!