Kinder + Bildung

Kinderbetreuung im Ausbau: mehr Plätze, längere Öffnungszeiten

Freiburg wächst und die Kinderbetreuung wächst mit: Jedes Jahr werden Krabbelgruppen eingerichtet und Kitas ausgebaut. Allein 2011 und 2012 werden fast 700 neue Plätze geschaffen, davon 410 für Kinder unter drei Jahren.

Vor allem im Freiburger Westen steigen die Kinderzahlen, aber auch in der Wiehre besteht großer Bedarf. In diesem und im nächsten Jahr werden rund 7 Millionen Euro in den Ausbau der Kinderbetreuung gesteckt – das gibt es sonst in keiner vergleichbaren Stadt.

Auch den flexibler werdenden Arbeitszeiten der Eltern wollen wir Rechnung tragen. Kinderbetreuung wird zu den unterschiedlichsten Tageszeiten gebraucht, manchmal auch am Abend. Schritt für Schritt wird das Angebot in Freiburg erweitert, die Kitas bieten längere Öffnungszeiten und mehr Ganztagsplätze an. Für viele Eltern sind die Schließzeiten während der Ferien zu lang, sie sollen in den nächsten Jahren reduziert werden.


Eine Schule für alle

Grünes Licht: Am 18. Oktober 2011 hat der Gemeinderat mit großer Mehrheit beschlossen, dass in Freiburg eine Gemeinschaftsschule eingerichtet werden kann. In dieser Schule sollen alle Kinder länger gemeinsam lernen. Warum?
Gegenfrage: Können wir Kindern wirklich zumuten, sich im Alter von neun Jahren für Hauptschule, Realschule oder Gymnasium zu entscheiden? In der 4. Klasse sollen die Weichen für die berufliche Zukunft gestellt werden. In anderen Ländern dagegen bleiben die Kinder bis zum 15. Lebensjahr zusammen – Pisa-Sieger Finnland macht es vor. Eine Bürgerinitiative setzt sich daher für eine Freiburger Gemeinschaftsschule ein. Mit dem Bildungskongress „Länger gemeinsam lernen“ haben wir im November 2009 dazu den Anstoß gegeben.

Eine Schule für alle
Im Freiburger Bündnis eine schule für alle haben sich 350 Menschen und 36 Vereine, Gruppen, Initiativen und Institutionen zusammengeschlossen. Ihr gemeinsames Ziel ist der Aufbau einer staatlichen inklusiven Gemeinschaftsschule in Freiburg. Diese Schule bietet individuelle Förderung und kooperatives Lernen. Sie ist offen für alle Kinder und Jugendlichen und sortiert nicht nach unterschiedlichen Begabungen, Handicaps oder sozialer Herkunft. Sie nutzt diese Vielfalt für eine inklusive Pädagogik und längeres gemeinsames Lernen. 

Integration? Inklusion!
Die inklusive Pädagogik tritt für das Recht aller Schülerinnen und Schüler ein, unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen sowie ihrer ethnischen, kulturellen oder sozialen Herkunft miteinander und voneinander in einer Schule für alle zu lernen. Im Gegensatz zur Integration will die Inklusion nicht die Kinder den Bedingungen der Schule anpassen, sondern die Rahmenbedingungen an den Bedürfnissen der Kinder ausrichten.

Breite Unterstützung
Bei der Gründungsversammlung des Bündnisses eine schule für alle am 6. März 2010 unterzeichneten zahlreiche Gruppen die Gründungsurkunde – vom Archiv der Zukunft und dem AK Bildung der Grünen über Bildung neu denken, den Paritätischen, den deutschen Familienverband, die Fördergesellschaft der Handwerkskammer, den Gesamtelternbeirat, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, den Migrantenbeirat und Schule mit Zukunft bis zum Theater Freiburg. Alle diese verschiedenen Ini­tiativen eint, dass sie eine Schule wollen, die integriert und nicht separiert, in der länger gemeinsam gelernt und kein Kind ausgesondert wird.

Das Konzept
Das Freiburger Konzept der inklusiven Gemeinschaftsschule sieht eine pädagogische Einheit vor, die mit Krippe und Kindergarten beginnt, in altersgemischten Lerngruppen in der Grundschule und der Sekundarstufe I fortgesetzt wird und eine gymnasiale Oberstufe anbietet. Alle Schulabschlüsse sollen möglich sein. Es soll eine inklusive Ganztagsschule sein, in der die Kinder und Jugendlichen in ihrer natürlichen Vielfalt gemeinsam unterrichtet werden – von lernschwach bis hochbegabt, mit Handicap oder ohne, aus bildungsfernen oder bildungsnahen Schichten, mit oder ohne Migrationshintergrund. Die Unterschiedlichkeit der Kinder wird als Gewinn gesehen und die Einzigartigkeit jedes Kindes geachtet.

Die Realisierung
Die neue Landesregierung von Baden-Württemberg unterstützt die Entwicklung von Gemeinschaftsschulen und wird sie 2012 im Schulgesetz verankern. Ein gutes pädagogisches Konzept ist dafür die Grundvoraussetzung. In Freiburg haben schon einige Schulen Interesse signalisiert. Eine andere Schule ist möglich – machen auch Sie mit!

Infos & Termine 
unter www.fr-eineschule.de
Kontakt: dialog(at)fr-eineschule.de

 

Bildung ...

... für alle Kinder: Musik, Theater und Sport
Im Mai hat der Gemeinderat das „Freiburger Bildungs- und Teilhabe­paket“ gepackt:  400.000 Euro stehen jetzt Grund- und Förderschulen zur Ver­fügung, die von sozial benachteiligten Kindern besucht werden. Der 2. Freiburger Bildungsbericht hat es gezeigt: Es gibt Quartiere mit über­durchschnittlich vielen Alleinerziehenden, Migranten und Menschen im Hartz-IV-Bezug. In manchen Schulen haben 70% der Kinder eine Zuwanderungsgeschichte. Diese Schulen erhalten jetzt eine besondere Unterstützung.

... durch Schulsozialarbeit
Stellenverdopplung in Sicht: An 13 Schulen gibt es bisher Schulsozialarbeit, 13 weitere kommen nächstes Jahr dazu. Möglich wird dies durch Kostenerstattungen des Bundes, die jetzt direkt in die Schulen fließen. Alle Realschulen und sechs weitere Grundschulen bekommen Schulsozialarbeit; alle Förder-, Haupt- und Werkrealschulen haben sie dann. Das Land war 2003 aus der Finanzierung ausgestiegen, die Stadt musste den Ausbau von Schulsozialarbeit alleine stemmen. Die neue Landesregierung hat zugesagt, einen Teil der Kosten wieder zu übernehmen.

... für nachhaltige Entwicklung
Am 16. September wurde Freiburg von der UNESCO für „herausragende Bildungsarbeit“ ausgezeichnet: „Stadt der Weltdekade“ ist der neue Titel. „Lernen erleben in Freiburg – LEIF“, „KonTiKi“ im Mundenhof, Waldhaus und Ökostation sind nur einige Beispiele, die zum Freiburger Erfolg beigetragen haben.

... an Ganztagsschulen
Zwölf Ganztagsschulen gibt es inzwischen in Freiburg – aber das reicht noch lange nicht: Grundschulkinder brauchen mehr Ganztagsangebote. Die Albert-Schweitzer-Schule I in Landwasser, die Vigeliusschule I in Haslach und die Reinhold-Schneider-Schule in Littenweiler sind Ganztagsgrundschulen, weitere müssen folgen! Im Mai 2011 haben wir – trotz angespannter Finanzlage – beschlossen: die Ganztagsschulen erhalten 340.000 Euro zusätzlich für mehr Fachpersonal, längere Öffnungszeiten und eine bessere Ausstattung mit Lern- und Sachmitteln.