Wohnen + Leben

Grüne Wohnungspolitik

Freiburg ist attraktiv, die Einwohnerzahl nimmt stetig zu. Hinzu kommt der anhaltende Trend zu immer mehr Single-Haushalten. Und weil auch die Ansprüche an die Wohnungsgröße wachsen, wird Wohnraum knapp, was sich in teuren und weiter steigenden Mieten niederschlägt. Deshalb brauchen wir in Freiburg dringend neue Wohnungsangebote. 

Was tun?
Vauban und Rieselfeld brachten vorübergehend Entspannung. Doch trotz vieler neuer Baugebiete und Einzelprojekte der Innenentwicklung ist die aktuelle Wohnungsnachfrage ungebrochen. Um hier – auch mit Blick auf stabile Mieten – Abhilfe zu schaffen, müssen vor allem geförderte sowie frei finanzierte Miet- und Eigentumswohnungen in flächensparenden Mehrfamilien- und Reihenhäusern gebaut werden. In allen Stadtteilen sollen dafür die Neu- und Umbaupotenziale genutzt werden, mit Rücksicht auf die örtlichen Gegebenheiten und quartiersverträglich. Auch wenn Neubauten in direkter Nachbarschaft nicht bei allen auf Gegenliebe stoßen – aus sozialen Gründen und in Verantwortung für die Gesamtstadt sind sie meist unverzichtbar. Zumal mehr Wohnraum auch andere Vorteile hat: kommt so doch neues Leben ins Quartier, was die vorhandene Infrastruktur sichert oder fehlende erst möglich macht.
Foto: Stadt Freiburg

Beispiel Gutleutmatten
Ab 2013 werden 500 Wohnungen im neuen ökologischen und sozialen Modellstadtteil am Haslacher Bad entstehen. Vielfalt ist dabei Trumpf: Wir setzen auf Baugruppen, geförderte Miet- und Eigentumswohnungen, Mehrgenerationenwohnen und genossenschaftliche Wohnformen. Und während in St. Georgen, Mooswald, Günterstal und anderswo bereits kräftig gebaut wird, steht das nächste große Neubaugebiet bereits vor der Tür: in Lehen, direkt an der Dreisam.

Tausend Wohnungen pro Jahr 
Während in Freiburg bis zum Jahr 2000 im Schnitt jährlich mehr als 1.000 Wohneinheiten  fertiggestellt wurden, hat sich diese Zahl inzwischen fast halbiert. Wir haben uns deshalb zum Ziel gesetzt, dass künftig wieder deutlich mehr Wohnungen neu entstehen können. Dazu wollen wir vor allem die stadteigenen, aber auch private Baulücken und Innenentwicklungspotenziale verfügbar machen und die im Flächennutzungsplan vorgesehenen Neubaugebiete zügig entwickeln. Bauen müssen Dritte: Privatleute, Baugruppen, Wohnbauträger, Genossenschaften, Investoren und die Stadtbau. Wir setzen dabei auf mehr Akzeptanz bei den bereits wohnversorgten Nachbarn, damit auch die Wohnungssuchenden von heute ein neues Zuhause finden können.

Freiburger Stadtbau
Unsere städtische Wohnbaugesellschaft hat rund 8.000 eigene Wohnungen, darunter zahlreiche Sozialwohnungen, die zu erschwinglichen Mieten vor allem an Menschen mit kleinerem Geldbeutel vergeben werden. Und die Stadtbau nimmt auch künftig ihre Verantwortung wahr: Zu den rund 700 neu gebauten Mietwohnungen, die in den letzten zehn Jahren entstanden, kommen weitere 400 hinzu, die gerade im Bau oder fortgeschrittenen Planungsstadium sind. Stimmen die Förderprogramme von Bund und Land, werden weitere folgen. Parallel wird der Wohnungsbestand mit 200 Mio. Euro Gesamtkosten sukzessive saniert, nicht nur energetisch: Das entlastet die MieterInnen von steigenden Heiznebenkosten und die Umwelt von Abgasen. Jüngste Paradebeispiele sind die Passivhochhäuser Bugginger Straße 50 und Binzengrün 9 in Weingarten.

Deutschlands erstes Passivhochhaus:
Die Bugginger Straße 50 in Weingarten

Wohnraum für alle – in allen Quartieren
Nicht nur über die Stadtbau versuchen wir für preisgünstigen Wohnraum zu sorgen: Investoren, die Sozialwohnungen bauen, können städtische Grundstücke mit Preisabschlag erwerben. Zudem werden private Grundeigen-tümer, deren Ackerland durch Ausweisung zum Baugebiet eine erhebliche Wertsteigerung erfährt, verpflichtet, einen Teil der entstehenden Wohnungen als geförderte Miet- oder Eigentumswohnungen anzubieten. Und für Familien mit geringem Einkommen, die Wohneigentum realisieren wollen, gibt es die Chance auf ermäßigte Erbbauzinsen.

Darüber hinaus denken wir auch über neue Konzepte für mehr preiswerten Wohnraum in Freiburg nach. Und wir suchen nach Wegen, wie wir den jüngsten Tendenzen in manchen Quartieren entgegenwirken können, wo durch Luxussanierung und Umwandlung von Miet- in teure Eigentumswohnungen bisherige BewohnerInnen verdrängt werden. Gemeinsam mit anderen Fraktionen, der Stadtverwaltung und externen Experten werden wir das komplexe Thema der städtischen Wohnungspolitik ausführlich diskutieren. Ziel ist ein „Kommunales Handlungsprogramm für mehr Wohnungsbau und sozial gemischte Stadtteile in Freiburg“, das spätestens Mitte 2012 vorliegen und vom Gemeinderat verabschiedet werden soll.



Green City Freiburg: Eine Internationale Verpflichtung

Als einzige Kommune aus Baden-Württemberg war Freiburg 2010 zur Weltausstellung in Shanghai eingeladen, um am Beispiel Vauban den erfolgreichen Freiburger Weg einer nachhaltigen Stadtentwicklungspolitik zu präsentieren. Mehr als 25.000 FachbesucherInnen aus aller Welt informieren sich jährlich darüber auch vor Ort in Freiburg – mit steigender Tendenz. Die Stadt versteht dieses Interesse als Verpflichtung: Weltweit stellen VerwaltungsmitarbeiterInnen auf Konferenzen Strategien vor, die Vision der Green City in gelebte Realität zu übersetzen.

Foto: FWTM/Cluster Green City FR

Der Freiburger Weg macht Furore: Erst kürzlich würdigte die britische Academy of Urbanism Freiburgs Rolle als internationales Vorbild für eine zukunftsorientierte integrierte Stadtplanung mit dem Titel „European City of the Year 2010“. Weltweite Bedeutung hat längst auch unsere Fachmesse Intersolar mit Töchtern in USA, Indien und China.